Auf dem Tisch liegt das aktuelle Friedrich-Jahresheft zum Thema „Fördern“ und ich DSC00166stutze schon beim Titelthema: Warum steht da nicht „Fördern und Fordern“? Oder gar „Fordern und Fördern“?

Eine schnelle Google-Suche mit den Suchbegriffen „Schule“ und „fördern“ vorm Weiterblättern zeigt ungefähr 15.700.000 Ergebnisse. Die Suche nach „Schule“ und „fordern“ erbringt nur 5.780.000 Treffer.

Das ist jetzt natürlich nur eine Spielerei, die in keinster Weise aussagekräftig ist, aber trotzdem…

Ich will hier keine Abhandlung über die Theorie des Konstruktivismus verfassen, aber ich glaube an das Zitat Wittgensteins: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

Und daher störe ich mich immer wieder nicht am Begriff des Förderns, sondern an der (vielleicht nur von mir?) empfundenen Einseitigkeit, die nicht nur das ebenso wichtige und bedeutsame Fordern häufig aus dem Blick verliert, sondern zudem auch noch eine Wirklichkeit schafft, in der immer mehr junge Menschen offenbar auf Förderung angewiesen sind. ((Ja, ich bin mir des besonderen Themas „Inklusion“ bewusst, das aber mal einen eigenen Artikel wert wäre. Hier klammere ich es – auch, weil ich noch zu wenig Erfahrung in dieser Hinsicht habe – vorerst aus meinen Überlegungen aus.))

Natürlich weiß ich, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler heute mit großen emotionalen oder fachlichen Defiziten die Schule betreten, aber ich würde gerne einmal den Versuch wagen, nicht Schülerinnen und Schüler mit bestimmten Schwächen zu fördern, sondern jeden Einzelnen bis an seine persönliche Grenze zu fordern.

In dieser Forderung wäre dann das Fördern implizit enthalten. Um herausgefordert werden zu können, sich zu entwickeln, sich zu bilden und seine Persönlichkeit zu gestalten, müssen natürlich die Grundlagen vorhanden sein.

Damit werden die Modelle und Methoden zur Förderung nicht überflüssig und nicht in Frage gestellt. Sie gehen nur in einem umfassenden Begriff des Forderns (auch im Sinne einer Herausforderung!) auf.

Würde das nicht eine ganz andere Schul-Welt schaffen?