Dieses Büchlein von 195 Seiten hat mir meine Teamkollegin zu Weihnachten geschenkt und ich habe es auf Platz eins meines Bücherstapels geschummelt, weil mir der Titel so gefallen hat.1

Nun, nach dem Lesen des ganzen Buches, weiß ich gar nicht so ganz, wie ich es finden soll. Es ist eine wirklich wunderbare Geschichte, die aber leider sehr schnell und manchmal unglücklich erzählt wird.

Zwei alte Männer, die im Wald leben und eigentlich nur noch auf den Tod im nächsten kalten Winter warten. Einen dritten Mann haben sie gerade begraben, um ihn und seine Vergangenheit dreht sich jedoch alles.
Dann kommen noch zwei Frauen hinzu, die sich innerhalb kürzester Zeit in diese Männerfreundschaft einfügen, als sei es nie anders gewesen. Die eine beginnt ihr Leben trotz ihres hohen Alters erst in diesem Moment, nachdem sie seit ihrer Kindheit in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt gewesen ist, die andere ist Fotografin und auf der Suche nach der Geschichte des Verstorbenen.
Am Ende stirbt eine weitere Person, zwei gehen zusammen fort und die dritte kehrt in ihr Leben zurück.

Sowohl die Beschreibung der beiden Männer und ihre existenzielle Sorge um das Leben und Überleben als auch die entstehende Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen wäre mehr als genug Stoff für zwei Romane gewesen. Auf weniger als zweihundert Seiten geht alles etwas schnell.

Als störend empfand ich die mehrfach wechselnde Erzählperspektive. Zuerst erlebt man das Geschehen durch die Augen zweier Ich-Erzähler, dann folgen immer wieder Unterbrechungen durch Kommentare eines allwissenden Erzählers, irgendwann geht es dann ganz in einen Wechsel verschiedener Erzählformen über. Auch dadurch wird man beim Lesen immer wieder aus der Handlung gerissen.

Und trotzdem …
Immer wieder lässt Saučier intensive Bilder dieser kanadischen Einöde entstehen; sie ermöglicht einem förmlich, den Rauch und die alten Kleider in den Hütten zu riechen. Und auch dieses intensive Freiheitsgefühl eines selbstbestimmten zweiten Lebens kann man mit den Alten spüren.

Alleine für solche poetischen Bilder und kleinen Momente lohnt es sich dann doch, zu diesem Buch zu greifen.

  1. Im Original lautet er „Es regnete Vögel“ und bezieht sich auf die Brandkatastrophe, die den Hintergrund der Geschichte bildet.