Als Liebhaber von Kriminalromanen habe ich diesen Klassiker mehr oder weniger durch Zufall auf booklooker.de gefunden und sofort zugegriffen. Bei weniger als zwei Euro für die Diogenes-Ausgabe in der schön zu lesenden Übersetzung von Hans Wollschläger gar keine Frage.

2016-06-26 13.02.43

Zuerst kannte ich nur die – auch durchaus empfehlenswerte – Verfilmung „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, aber wie so oft endet das Buch ganz anders und besser.

Der Philip Marlowe in diesem Buch ist nicht der coole, zynische Held der ersten Romane, sondern ein ziemlich nüchterner, fast schon sentimentaler Mann, der nur seinen Überzeugungen folgt und sich bestenfalls widerwillig für seine Dienste bezahlen lässt.

Am Ende des Romans hat man dann nicht nur den Titel verstanden, sondern auch das Gefühl, dass sich hier ein Romanheld und der ganze Typus des „hard boiled detective“ verabschiedet.
Insgesamt liest sich das Buch trotz aller Spannung und vordergründig sogar zwei aufzuklärenden Fällen weniger wie ein Kriminalroman als wie eine Gesellschaftskritik, bei der weder die „bessere Gesellschaft“, noch Polizisten und Kriminelle gut wegkommen.

Am Ende bleibt Marlowe seinen Idealen treu, aber damit ganz allein.

„Es war nett, solange es währte. Machen Sie’s gut Amigo. Groß Abschied nehmen wollen wir nicht. Das haben wir getan, als es etwas bedeutete.“

Da Raymond Chandler, wie es sich für einen Krimi-Schriftsteller gehört, am Ende die Auflösung liefert, verzichte ich hier auf eine vollständige Inhaltsangabe:

Privatdetektiv Philip Marlowe freundet sich mit einem Mann an und verhilft diesem nur kurze Zeit später zur Flucht nach Mexiko, nachdem dessen Frau ermordet worden ist.
Marlowes Versuche, den Mord aufzuklären, werden durch die Staatsanwaltschaft und sogar die Familie der Ermordeten behindert.
Kurz darauf lässt er sich engagieren, einen verschwundenen Schriftsteller zu finden, wobei sich nach und nach herausstellt, dass es zwischen beiden Fällen offenbar Verbindungen gibt…

Aber irgendwann geht es einem beim Lesen nicht mehr um die Fälle, sondern man leidet gemeinsam mit dem Helden an der Welt.

„Reizende Leute mit reizenden Häusern, reizenden Autos, reizenden Pferden, reizenden Hunden, vielleicht sogar reizenden Kindern.
Aber ein Mann namens Marlowe wollte nichts weiter als da weg.“