Wenn ich so auf die letzten Wochen und Monate zurückblicke, muss ich feststellen, dass meine Arbeitstage häufig eher von administrativen Tätigkeiten geprägt sind als von dem, was meinen Job eigentlich ausmachen sollte: die Entwicklung von Konzepten zur Schul- und Unterrichtsentwicklung und Qualitätsüberprüfung.

Ganz besonders ein Punkt bereitet mir dabei die größten Bauchschmerzen: die stockende Entwicklung eines neuen Medienkonzepts.

Während ich im Twitterlehrerzimmer miterleben kann, wie Schulen sich der Herausforderung der Digitalisierung stellen und ihren Unterricht verändern, um zeitgemäße Bildung zu ermöglichen, komme ich einfach nicht vom Fleck.
Von sechs seit mehreren Monaten angebotenen Mikro-Fortbildungen haben gerade einmal zwei stattgefunden, und auch das nur, weil ich die Mindest-Teilnehmerzahl herabgesetzt habe. Eine andere Veranstaltung mit der Möglichkeit, mal über den Tellerrand zu schauen, habe ich wegen fehlender Anmeldungen gleich ganz abgesagt.

Ich glaube fest daran, dass das richtige Verständnis von zeitgemäßer Bildung in der digitalen Welt eine Bildungsrevolution (im Sinne von Lisa Rosa) ermöglicht, die unseren Unterricht vollständig umkrempeln könnte.
Und damit ziele ich nicht auf ein von Algorithmen gesteuertes, sondern auf emanzipiertes, selbstgesteuertes Lernen ab. Nur so können wir unsere Schüler auf eine ungewisse, aber mit Sicherheit in weiten Teilen digitalisierte Zukunft vorbereiten.

Inzwischen glaube ich, dass genau hier der Haken liegt: Die eigentlich für die meisten Lehrer unbestreitbar notwendig gewordene Veränderung von Unterricht geht mit Veränderungsprozessen in einem Bereich einher, der vielen fremd ist und bis vor Kurzem auch kein Bestandteil der Lehrerausbildung war.

Würde das Digitale in der Unterrichtsentwicklung keine Rolle spielen, wären vermutlich viele offener, einmal andere Wege zu probieren. So aber bremst die Mischung aus Desinteresse an „diesem ganzen Computerkram“ und Scheu vor dem unbekannten und unbeherrschten Terrain jegliche Entwicklung.

Wir können die Digitalisierung aber nicht mehr ausklammern und damit Schule noch mehr in eine Parallelwelt verlagern. Viel schneller als früher finden dort draußen Veränderungs- und Transformationsprozesse statt, die in einer globalen Welt keine kleinen gallischen Dörfer mehr zulassen.

Bisher habe ich auf freiwillige schulinterne Fortbildungen gesetzt und darauf gehofft, dass sich meine Versuche, die 4K oder das SAMR-Modell im eigenen Unterricht zu berücksichtigen, irgendwann schon verbreiten werden.

Aber das funktioniert nicht. Es kommen auf diese Weise nur diejenigen, die sich ohnehin schon auf den Weg gemacht haben. Wer davon nichts wissen will, macht halt einen großen Bogen um den Kerl mit seinem ständigen Digital-Gerede oder hört ihm freundlich lächelnd zu, um dann weiterzumachen wie bisher.

Im kommenden Schuljahr muss wohl in diesem Bereich die Freiwilligkeit ein wenig dem Zwang zur Fortbildung weichen, sonst verpasst meine Schule den Anschluss und das wäre dann nicht zuletzt mein Verschulden.

Kleine gallische Dörfer gibt es nämlich nur noch im Comic.