Anlass dieses Blogposts ist die September-Beitragsparade der Bildungspunks mit dem Thema „Planung am Schuljahresanfang“.

Vorbereitungen

Im Grunde genommen beginnt meine Planung des neuen Schuljahres schon zum Ende des alten. Dann nämlich hole ich mir von meinen Schülern Feedback zum vergangenen Unterricht ein.
Nach anfänglichen Papierfragebögen und späteren Versuchen mit GoogleForms1 nutze ich dafür inzwischen die Fragebögen von FeedbackSchule, wobei die Schüler die Wahl zwischen Online-Fragebogen oder der App haben.

Aus den Ergebnissen – insbesondere den freien Anmerkungen – suche ich mir diejenigen aus, die entweder jedes Jahr wiederkehren2, sich bei allen Klassen ergeben oder mir besonders wichtig erscheinen.

Dann geht es in die Ferien.

Zeit für neue Ideen

Gegen Ende der Ferientage beginnt dann das, wofür ich jetzt den schönen Begriff „Sommersilvester“ kennengelernt habe.

In dieser Zeit kommen mir immer öfter plötzlich Ideen für eine endlich mal zu erprobende Methode, mindestens zwei, drei dringend zu festigende Arbeitsformen, geniale Gedanken zum Classroom-Management und noch genialere für eine endlich konsequente Vorgehensweise bei X oder Y.
Und dieses alte Arbeitsblatt müsste man auch mal …

Diese Gedankenfetzen schreibe ich mir – weil sie die lästige Angewohnheit haben, immer irgendwo unterwegs aufzutauchen – in mein Evernote-Notizbuch „Unterrichtsideen“.
Hier kommen dann auch die Vorhaben hinein, die sich aus dem Schüler-Feedback ergeben haben.

Diese Zeit der guten Vorsätze und neuen, losen Ideen genieße ich jedes Jahr wieder. Neben den sich ständig verändernden Schülern machen diese Möglichkeiten der eigenen Veränderung für mich das Spannende und Lebendige am Lehrerberuf aus.

Jahresplanung

Die konkreten Planungen starten dann erst kurz vor Schulbeginn.
Ich habe eine Evernote-Vorlage für eine Jahresplanung, in die ich die zur Verfügung stehenden Unterrichtswochen abzüglich aller Ferien eintrage.

Im zweiten Schritt kopiere ich diesen Plan für jede meiner Lerngruppen und streiche noch einmal alle mir bekannten Termine wie z.B. Abschlussarbeiten oder Klassenfahrten meiner Lerngruppen heraus.

Die verbleibenden Unterrichtswochen bilden das Gerüst für meine erste Grobplanung:
Macht es Sinn, in Politik mit dem Thema Wahlen zu beginnen, weil vielleicht im September eine Bundestagswahl ansteht? Wie ordne ich die Themen in Wirtschaft geschickt um das Betriebspraktikum der 9. an? Muss ich mit dem Dramentext in Deutsch noch warten, bis die 10. in Geschichte weit genug gekommen ist?

Am Ende habe ich für jedes Fach und jede Lerngruppe die Themenfelder mitsamt der schriftlichen Arbeiten verteilt.

Lektionen in Evernote

Zu meinen Gründen, Evernote zur Unterrichtsplanung zu nutzen, habe ich bereits an anderer Stelle etwas geschrieben, hier noch einmal die nächsten Schritte nach der Jahresplanung:
Entsprechend der ersten geplanten Wochen hole ich entweder die vorhandenen Unterrichtseinheiten mit ihren jeweiligen Lektionen aus dem Archiv-Stapel zurück oder lege bei Bedarf ein neues Notizbuch für Fach und Jahrgang an.
Die Syntax ist dabei immer „Jahrgang_Fach_Einheit“, also z.B. „10_Deutsch_Drama“.

In dieses Notizbuch kommen die einzelnen Lektionen3 mit den geplanten Unterrichtsschritten und zugehörigen Arbeitsblättern oder Präsentationen.
In diese etwas feinere Planung fließen dann auch die Ideen und Vorhaben aus dem Notizbuch „Unterrichtsideen“ ein oder werden doch wieder verworfen, wenn sie nicht passen.

Auch bei diesen Notizen verwende ich die immer gleiche Syntax: „Lekt01_Thema“, „Lekt02_Thema“, „Lekt03_Thema“, …
Zusätzliches Material, das keiner Lektion zugehörig ist, kommt in Notizen mit dem Präfix „ZusM_Materialname“.

In Evernote lasse ich die Notizen nämlich nach Namen sortieren und habe somit die Lektionen 01 bis … in der richtigen Reihenfolge, gefolgt von zusätzlichen Materialien.

Zu guter Letzt mache ich die Notizbücher der aktuellen Einheiten in der Smartphone-App noch offline verfügbar4 und füge sie zu den Favoriten hinzu.
So habe ich im Widget direkten Zugriff auf die aktuellen Einheiten und kann auch ohne WLAN im Unterricht auf meine Planungen zugreifen.

Und dann…

Und dann beginnt der Unterricht, und alle Planung zeigt sich bloß noch als eine grobe Wegbeschreibung, die nur verhindert, dass ich mich mit meinen Lerngruppen verlaufe.
Denn während wir diesen Weg gehen, kommen uns unerwartete Stolpersteine (Brandschutzübung, Hitzefrei) vor die Füße, müssen wir aus guten Gründen auch einmal eine Abzweigung (Unterrichtsbesuch der Referendarin) nehmen, uns Dinge am Wegesrand (wichtige gesellschaftliche Ereignisse in den Nachrichten) anschauen oder haben Tage, an denen wir einfach nicht vorankommen.

Am Schuljahresende sehen dann weder die Jahresplanung noch die Lektionen so aus wie zu Beginn geplant.
Aber das kann dann ja gleich für das nächste Jahr eingeplant werden…

 

 

 

  1. Bei GoogleForms hat mich immer die unzureichende und nicht exportierbare grafische Auswertung gestört.
  2. Es ist so leicht, von Schülern Verhaltensänderungen zu verlangen, und so schwer, die eigenen Baustellen in den Griff zu bekommen.
  3. Mit dem langfristigen Ziel, immer agiler zu unterrichten, plane ich nicht mehr in Einzelstunden mit minutiösem Verlauf, sondern in kleineren Themenbereichen entsprechend meiner Kompetenzziele. Innerhalb dieser Lektionen bewege ich mich möglichst frei. Mit Hilfe der Jahresplanung, in der ich die Kalenderwochen und ihre Themen als bearbeitet markiere, versuche ich, der Gefahr zu entgehen, die Zeit zu sehr aus dem Blick zu verlieren.
  4. Leider nur in der kostenpflichtigen Premium-Version möglich.