Ich stecke gerade mit einer 10. im Fach Politik mitten im Thema Bundestagswahl und komme ebenso langsam voran wie unsere mögliche zukünftige Regierung. Es liegt einfach zuviel Spannendes am Wegesrand (und die Lücken in politischer Allgemeinbildung sind tiefe Gräben).

Heute haben wir uns im Thema „Wahlkampf und Social Media“ verloren. Eigentlich wollte ich nur ein kleines Arbeitsblatt zum User-Profiling machen, aber nachdem die Schüler mich bloß ungläubig angeschaut haben, musste ein Versuch her:

Im ersten Schritt sollten sie innerhalb einer Viertelstunde alle Informationen über mich sammeln, die sie in sozialen Netzwerken finden können. Erlaubt war am Startpunkt nur der Name, von da aus war alles gestattet.

Die Ergebnisse (zusammengetragen mit AnswerGarden) nach einer Viertelstunde:

Anschließend waren sie selber dran. Um niemanden vorzuführen, sollte jeder nur sich selber googeln und alles notieren, was Facebook, Twitter, Instagram und Co. an Informationen hergeben.

Tatsächlich wären in einzelnen Fällen ganze Profile möglich gewesen: Von Alter und Geschlecht bis zu Hobbys, Vorlieben und Musikgeschmack war alles auf dem Präsentierteller.

Interessant für mich: Die Schüler waren umfassend darüber aufgeklärt, mit welcher Vorsicht Bilder zu behandeln sind. Die Instagram-Profile sind privat und Fotos mit wenig Kleidung oder viel Alkohol werden offenbar nicht gepostet.

Weniger bewusst war ihnen, dass auch der Klick auf „Nehme teil“ bei Facebook-Veranstaltungen später nachvollziehbar ist und über ihre Party-Gewohnheiten mehr verrät, als ihnen lieb ist. Oder dass sich über Follower und Facebook-Freunde Verwandschaftsverhältnisse ohne Mühe abbilden lassen.

Echt verärgert waren zwei Schülerinnen, dass sie sich mit ihren Hobbys im Netz gefunden haben, nur weil ihr Verein eine eigene Facebook-Seite hat und ihr Name auf der letzten Turnierliste mit aufgeführt ist.

Ich gebe zu, dass wir den Bezug zum Online-Wahlkampf ein wenig aus den Augen verloren haben, aber dieser Aha-Effekt und ein verschärftes Bewusstsein für ihre Spuren im Netz ist mir das wert.

„Herr Paulsen, ich muss gleich zuhause erstmal ein paar Fotos löschen!“