Unterrichtsvorbereitung – Umstieg auf Evernote

Seit ich von den frühen schriftlichen Stunden-Verlaufsplanungen zur digitalen Unterrichtsplanung übergegangen bin, habe ich eigentlich immer OneNote verwendet.
Eigentlich liegt mir die grundlegende Ordner-Struktur des Programms, die in jedem Notizbuch Abschnitte und darin wiederum einzelne Seiten ermöglicht. Ähnlich gehe ich schließlich auch in meiner Ordner- und Dateistruktur vor.

Trotzdem habe ich OneNote nun verlassen und bin zu Evernote gewechselt.

Gründe waren unter anderem die unpraktische Android-App und die mit der Menge der Notizen zunehmende Unübersichtlichkeit – die Verschlagwortung, bzw. Einsortierung in Kategorien von OneNote empfinde ich als unbefriedigend.

Am schwerwiegendsten wiegt aber, dass ich in drei Klassen im Team unterrichte und meine Unterrichts-Notizen und -Materialien mit meiner Kollegin auf einfache Weise teilen möchte. Gleiches gilt auch für Kollegen, mit denen ich parallel unterrichte.
Leider gab es hier immer wieder Probleme in der Darstellung – abhängig von der Version der Desktop-Anwendung oder der reinen Browser-Nutzung von OneNote.
Lästig war auch, dass ich in OneNote 2016 immer nur ein ganzes Notizbuch freigeben konnte, nicht bloß einzelne Seiten.

Nach einigen Tagen (und Irrwegen) mit Evernote habe ich meinen Umzug nun abgeschlossen und mich im neuen Notizbuch gemütlich eingerichtet.
Die größte Aufgabe war dabei, eine neue Struktur für die Unterrichtsvorbereitung zu finden:

  • Einzelne Stunden müssen in der Schule auf dem Tablet oder Smartphone leicht aufzufinden sein,
  • Alle Einheiten müssen archiviert und im kommenden Schuljahr bei Bedarf leicht reaktiviert werden können,
  • Notizbücher oder einzelne Notizen sollten mit Kollegen auf leichtem Weg zu teilen sein.

Für meine Unterrichtsplanung kopiere ich ein wenig die Struktur von OneNote, indem ich für jede Unterrichtseinheit ein eigenes Notizbuch, bestehend aus Jahrgang, Fach und Thema, einrichte und alle Notizbücher in Fach-Stapeln zusammenführe.
Da ich schon lange keine Verlaufsplanung jeder einzelnen Stunde mehr anlege, sondern in Lektionen plane, bilden diese die Notizen in den Büchern der Einheit.
Ich sortiere dabei durch das Präfix Lekt01_ , Lekt02_… Besondere Materialien bekommen das Präfix ZusM_ für Zusatzmaterial.

Abgeschlossene Einheiten verschiebe ich dann in den Stapel „Archiv“. Bei Bedarf kann ich sie dort zu Beginn des kommenden Schuljahres anhand der vorangestellten Jahrgangsstufe leicht wiederfinden und zurück in den Fach-Stapel verschieben.
Damit habe ich im laufenden Schuljahr lediglich die noch zu unterrichtenden Einheiten griffbereit und verliere nicht so schnell die Übersicht.

An der konsequenten Verschlagwortung meiner Notizen muss ich noch arbeiten, aber schon jetzt zeigt sich hier ein großes Plus von Evernote – besonders in der Smartphone-App. Auf einen Schlag Mit nur einem Klick kann ich alle Notizen zu einem Schlagwort anzeigen lassen.

Ohnehin gefällt mir die Smartphone-App von Evernote um ein Vielfaches besser als die von OneNote. Es stehen verschiedene Möglichkeiten der Sortierung zur Verfügung und ich kann mir entweder alle Notizbücher oder Notizen nach bestimmten Kriterien zeigen lassen. Für meine Nutzung im Unterricht bietet sich z.B. die Sortierung nach zuletzt aktualisierten Notizen an.

Ein kleiner Wermutstropfen ist die fehlende Offline-Verfügbarkeit von Notizen. Um auch ohne Internetzugang auf alle Notizen zugreifen zu können, benötigt man die kostenpflichtige Premium-Version.
Allerdings bekommt man dafür mehr als nur die Offline-Verfügbarkeit: Neben erweiterten Such- und Anmerkungs-Möglichkeiten in angefügten PDF-Dateien gibt es in der Premium-Version auch eine Präsentations-Funktion für Notizen. (Leider nur aus der Desktop-Anwendung heraus.)
Für die reinen Unterrichtsnotizen lohnt sich diese Funktion nicht so sehr, erstens aufgrund der Schriftgröße, zweitens will ich ja nicht immer nicht alles an die Wand werfen, was ich mir für die Stunde notiert habe.
Aber ich fotografiere gerne am Ende einer Stunde das – vielleicht noch unvollständige – Tafelbild und kann in der nächsten Stunde direkt daran anknüpfen, indem ich es einfach präsentiere, anstatt es mühsam noch einmal zu rekonstruieren. Das ginge natürlich auch ohne Evernote, aber Sinn des Ganzen ist ja, möglichst alles an einem Platz zu haben.

Noch einfacher als in OneNote ist die kollaborative Unterrichtsplanung: Notizen oder Notizbücher lassen sich per E-Mail-Adresse teilen, mein Gegenüber benötigt dann lediglich die kostenlose Basic-Lizenz von Evernote. Dann ist aber auch die Darstellung für alle Nutzer gleich – egal, ob im Browser, der App oder am Desktop.
Zusätzlich eröffnet Evernote mit jeder geteilten Notiz einen sogenannten „Work Chat“, der es mir und meinen Kollegen ermöglicht, innerhalb von Evernote Nachrichten zu Notizen auszutauschen.
Natürlich ist bei entsprechender Freigabe auch ein gemeinsames Bearbeiten von Notizen möglich.

Über den Unterricht hinaus ist Evernote für mich auch aus anderen Gründen die geeignetere Notizbuch-Software:
Unschlagbar finde ich den Web-Clipper, mit dem ich Web-Fundstücke in Evernote sammeln kann.

Anders als bei OneNote kann ich hier entweder ganze Seiten, einzelne Artikel oder bloß Screenshots speichern und direkt mit Schlagworten versehen. Das Ergebnis überzeugt auch in der App:

Unerwartet praktisch ist auch die Integration von Evernote in Trello, sodass ich meinen Projekten ohne großen Aufwand wichtige Notizen und Materialien zuordnen kann.

Insgesamt habe ich den Umstieg zu Evernote absolut nicht bereut und bin auch gerne bereit, monatlich € 5,- für die Premium-Version zu zahlen. Ohnehin ist es mir lieber, für eine vernünftige Software mit Geld als mit meinen Daten zu zahlen.

Wahrscheinlich ist die Verwendung von OneNote, Evernote oder sonst einem Notizbuch letztendlich eine Frage des Geschmacks und der individuell empfundenen Usability, aber ganz unabhängig von einer bestimmten Software könnte ich mir die Verwaltung der immer größeren Fülle an Informationen ohne ein digitales Notizbuch nicht mehr vorstellen.

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Geschützte Daten – geschützter Webmaster

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Ich wäre gerne weiter

  1. Artikel verständlich geschrieben.

  2. Manfred

    Die Erfahrung mit OneNote unter Android kann ich nur unterstreichen. Danke für den Artikel, ich habe einige Anregungen bekommen.

  3. Ich habe auch einen Evernote-Account. Warum ist es eigentlich nicht möglich, die Premium-Version ohne neue E-Mail-Adresse zu bekommen? Meine heutige (private) Mail-Adresse sollte ich ändern in einer professionnellen Adresse.

    • Arne.Paulsen

      Das Problem hatte ich gar nicht, ich habe einfach über die Kontoeinstellungen gewechselt.
      Hast du vielleicht den Sprung zur Business-Version versucht? Dort braucht es glaube ich eine andere Mailadresse.

  4. jacques verschuren

    Arbeite schon Jahre mit diesem herllichen App und Web-Version

  5. Die Fähigkeiten des OneNote-Webclipper werden hier nicht ganz zutreffend dargestellt. Unterstützt OneNote nicht auch Tags?

  6. …aus der Windows-App für OneNote lassen sich auch einzelne Seiten freigeben, sogar embedden. Kann Evernote in vergleichbarer weiße Inking?

    • Arne.Paulsen

      Aus OneNote 2016, das ich genutzt habe, geht es nicht (oder ist mir zumindest nie gelungen). Aus der Web-Anwendung geht es auch, aber auf solche Workarounds habe ich keine Lust.
      In Handschrift scheint OneNote tatsächlich überlegen, vor allem mit entsprechender Hardware. Für mich ist das aber nicht von Bedeutung, da ich wegen grausamer Schrift kaum handschriftliche Notizen anfertige.
      Ich sage ja: Es ist Geschmackssache.

  7. Danke für den guten Artikel. Würdest du erlauben, den Text (evtl gekürzt ) auf http://www.leererschreibtisch.de einzubinden? Habe ihn bisher verlinkt, würde ihn aber gern unter „Usability“ reinkopieren. wäre dann unter cc by sa, mit einem von dir gewünschten Namen. Am meisten würde ich mich natürlich freuen, wenn du ihn selber dort hinschreibst (dafür musst du dir allerdings einen Account anlegen.)

    • Arne.Paulsen

      Du kannst den Text natürlich gerne – auch in gekürzter Form – verwenden, ob unter dem Blog-Namen oder unter Arne Paulsen, ist mir dabei egal. Zum selber Anpassen und Einfügen fehlt mir gerade die Zeit. Ich finde das Wiki aber eine gute Idee.

  8. https://leererschreibtisch.de/index.php?title=Evernote
    Man muss schon richtig verlinken können, sorry.

  9. Interessant Ihre Ansicht zu lesen.

    Die TAG-Funktion bei OneNote gehört wirklich verbessert. Da stimme ich zu.

    Die Funktionen im WebClipper, die Sie bei Evernote hervorheben sind aber vorhanden, nur das Screenshot Bereich heißt.

    Auch die Probleme mit dem Teilen kann ich nicht so bestätigen. Allerdings arbeiten alle Teammitglieder bei den von uns begleiteten Implementierungen dann mit der gleichen Version und Office 365.

    Das Ansichtsproblem gibt es, in meiner Erfahrung aber nur bei der Mischung aus privaten OneNote Usern mit anderen Accounts. Hier sind die Gliederungssymbole oft inkonsistent.

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